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Schwarzenfeld – ein Ort mit zwei Marktplätzen

Markt Schwarzenfeld
Martin Irl

"Schwarzenfeld einst": Ein Blick in die Geschichte von und mit Martin Irl.

In der neuen Rubrik “Schwarzenfeld einst” wollen wir Historisches und Interessantes aus der Vergangenheit thematisieren und haben dafür bestmögliche Unterstützung in Form von Martin Irl vom Holnstein-Archiv Schwarzenfeld gewinnen können.

Vor rund 15 Jahren kam in Schwarzenfeld eine Diskussion auf, die zunächst harmlos klang, dann aber für einige Verwirrung sorgte: Wo liegt eigentlich der Marktplatz des Marktes Schwarzenfeld? Für manche Einheimische schien die Antwort klar – und zugleich erstaunlich. Es gebe gar keinen Marktplatz, hieß es. Andere vermuteten ihn auf dem Miesberg, schließlich standen dort zur Kirchweih seit jeher die Marktstände. Ganz abwegig war dieser Gedanke nicht. Und doch führte er in die Irre. 

Ein Blick in das Holnstein-Archiv Schwarzenfeld bringt Klarheit – und zugleich eine Überraschung. Der ursprüngliche Marktplatz des Marktes Schwarzenfeld lag an einem Ort, den heute kaum jemand damit in Verbindung bringen würde: in der Schloßstraße.

Der Umbauplan für das Gräflich von Holnstein‘sche Gutsund Rentamt von 1877, unterschrieben von Max Graf von Holnstein aus Bayern, liefert den Beweis für den ursprünglichen Marktplatz in der Schloßstraße vor der Pfarrkirche.

Der Beleg dafür stammt aus dem Staatsarchiv in Amberg und liegt im Holnstein-Archiv als Kopie vor. Es ist ein Plan aus dem Jahr 1877, der einen geplanten Umbau des damaligen Verwaltungsgebäudes am Schloßtor zeigt. Das Gebäude, heute das Wohnhaus Schloßstraße 9, sollte im Auftrag des Schlossherrn Max Graf von Holnstein aus Bayern erweitert werden. Es ging um die Zentrierung bzw. Vergrößerung der Gutsverwaltung in Schwarzenfeld. Man brauchte also mehr Platz für die Mitarbeiter. Der Umbau des Verwaltungsgebäudes erfolgte 1880. Auf diesem Bauplan findet sich ein entscheidender Hinweis: Vor dem Gebäude, im Bereich der alten Pfarrkirche St. Dionysius und Ägidius, ist eindeutig die Bezeichnung „Marktplatz“ eingetragen. Schwarz auf Weiß ist damit festgehalten, dass sich der Marktbereich des Ortes in der Schloßstraße befand. Sie war damals das wirtschaftliche Zentrum Schwarzenfelds, Ort des Handels, der Begegnung und des alltäglichen Austauschs.
Nur wenige Jahre später veränderte sich das Erscheinungsbild des Schlossensembles: Von 1890 bis 1892 erhielt das Schloss seine neue Gestalt in der damals modernen Bauform des Historismus. Ein Jahr später, 1893, wurde auch das Verwaltungsgebäude erneut umgebaut, um es architektonisch an die neue Schlossfassade anzupassen. Das Gräflich von Holnstein‘sche Guts- und Rentamt, wie das Gebäude offiziell hieß, blieb in dieser Form bis heute erhalten.

Doch warum befand sich der Marktplatz ausgerechnet an dieser Stelle? Die Antwort liegt nur wenige Meter entfernt und ist für die Geschichte Schwarzenfelds von zentraler Bedeutung: die Naabbrücke. Ohne die Querung der Naab wäre Schwarzenfeld nicht das geworden, was es ist. Die alte Holzbrücke, die 1901 durch eine Brücke mit Eisenkonstruktion ersetzt wurde, endete nicht dort, wo heute die moderne Naabbrücke steht. Sie führte weiter nördlich in den Ort hinein, ungefähr auf Höhe der heutigen sogenannten Ententreppe. Wer aus Richtung Osten kam, betrat Schwarzenfeld über die Brücke – und stand fast unmittelbar auf dem Marktplatz in der Schloßstraße.

Die älteste Ansichtspostkarte von Schwarzenfeld aus dem Jahr 1897 zeigt die Holzbrücke über die Naab, die in der Schloßstraße endet. Dahinter das Schloss bereits in seiner heutigen Form und die Pfarrkirche St. Dionysius und Ägidius.

Diese historische Situation ist auf der ältesten bekannten Ansichtspostkarte von Schwarzenfeld aus dem Jahr 1897 zu erkennen. Auch sie stammt aus dem Holnstein-Archiv. Deutlich zu sehen ist darauf die Holzbrücke, die direkt in die Schloßstraße mündet. Handel und Verkehr trafen hier zusammen. Der Marktplatz lag dort, wo alle Wege zusammenliefen. Später wurde durch den Bau der Spannbetonbrücken von 1952 bis 1956 die Straßenführung von der Schloßstraße in die Neue Amberger Straße verlegt.

Und wie kam es nun zum zweiten Marktplatz für Schwarzenfeld? Durch den zunehmenden Verkehr waren die Stände des alten Marktplatzes vor der Pfarrkirche St. Dionysius und Ägidius wohl irgendwann hinderlich. Nur einen Steinwurf entfernt, am Platz am Kreuz, entstand nach der Jahrhundertwende ein neuer, besser geeigneter Standort für den Markt. Der Platz hatte ursprünglich eine andere Funktion: Er diente als Ort für Beerdigungszeremonien, daher der Name. Mit wachsendem Verkehr und neuer Bebauung erwies sich der Bereich vor der Pfarrkirche als zunehmend unpraktisch für Marktstände. Der Platz am Kreuz bot mehr Raum. Schritt für Schritt verlagerte sich der Marktbetrieb dorthin. Auch hierfür liefert das Holnstein-Archiv einen eindeutigen Beleg.

Eine Ansichtspostkarte aus dem Jahr 1910 bezeichnet den Platz am Kreuz ausdrücklich als „Marktplatz“. Schwarzenfeld hatte also – zumindest für eine Zeit – zwei Marktplätze. Einer entstand aus der verkehrlichen Logik des Mittelalters und der frühen Neuzeit, direkt an der Naabbrücke. Der andere folgte den Anforderungen einer sich wandelnden Zeit. Beide erzählen von Bewegung, von Handel und von der Entwicklung des Ortes.

Demnächst werden wir ein weiteres historisches Thema aufgreifen. Auch dann lohnt sich wieder der Blick in alte Pläne, Dokumente und Bilder – und auf das, was sie über den Markt Schwarzenfeld erzählen.


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