Verdienstmedaille beim Neujahrsempfang verliehen

Beim traditionellen Neujahrsempfang des Bürgermeisters für das Ehrenamt und Personen des öffentlichen Lebens am 3. Februar stand neben dem Rückblick von Peter Neumeier auf das vergangene Jahr eine besondere Auszeichnung im Mittelpunkt.
Der Marktgemeinderat hatte in seiner Novembersitzung beschlossen, erstmals seit knapp 30 Jahren wieder die Verdienstmedaille des Marktes Schwarzenfeld zu verleihen. Die Geehrten für besondere Verdienste um die Kultur sind die Musikerinnen Marita Lobenhofer und Helga Kasparides, besser bekannt als Geschwister Winterer. Marktrat Manfred Bäumler übernahm die Laudatio:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
verehrte Ratskolleginnen und –kollegen,
geschätzte Festgäste!
Eine Veranstaltung, wie sie heute, wie sie jetzt gerade in diesem Augenblick hier im großen Sitzungssaal unseres Rathauses stattfindet, soll jetzt zu Beginn des Jahres in festlichem Rahmen Gemeinschaft demonstrieren. Es soll heute bei der Zusammenkunft von tragenden Säulen unseres Heimatortes in Bezug auf das kommunale Ehrenamt, in Bereichen wirtschaftlichen und sozialen Engagements, aber auch kultureller Belange einen gewissen Reichtum für eine Kommune aufzeigen. Mir ist bewusst, dass die Zahl derer, die sich im Vereinsleben der über siebzig etablierten Vereine, derer, für die Gemeinwohl ein starkes Gut darstellt, weit größer ist, als die Anzahl der hier Versammelten. Ein Festabend, der mit dem Titel „Neujahrsempfang“ überschrieben ist, bietet neben dem Vortrag des Bürgermeisters, verbunden mit dem Dank für das im abgelaufenen Jahr Geleistete, auch Raum für ein Miteinander im Gespräch, für den Austausch und das Kennenlernen. Diese besondere „Bühne“, wenn ich sie so nennen darf, kann allerdings auch dazu dienen, besonderes und außergewöhnliches Engagement aus dem Alltag herauszuheben, ja mit einem gewissen Glanz darzustellen.
Unsere Heimat in Bildern oder auch in Form umfangreicher Darstellungen mit Vorträgen etwa, in das beste Licht zu rücken, es ist wichtig und formt den Gedanken der Zugehörigkeit geradezu. Kultur – ein Begriff, der Sitte und Brauch mit Sprache und Musik beinhaltet, umfasst alles, was Menschen in Gemeinschaft brauchen, was ihnen gut tut. „Die Kultur einer Nation, oder auf das heute übertragen, die Kultur unseres Marktes wohnt im Herzen und in der Seele seiner Menschen“ wie es Mahatma Gandhi ausgedrückt hat. Menschen, die tagtäglich - oftmals im wahrsten Sinne des Wortes-, um uns herum sind, tragen dazu bei, unser Schwarzenfeld noch ein Stück reicher und begehrlicher zu machen. Schauen wir in die Runde der hier Versammelten, dann fallen neben, gut gekleideten Festgästen auch traditionell mit einem feinen Dirndlgwand bekleidete Damen angenehm auf.
Euch Beiden, liebe Helga Kasparides, liebe Marita Lobenhofer, sind die nachfolgenden Zeilen gewidmet. Dass Musik und Schwarzenfeld seit Jahrhunderten eine Einheit darstellen, ist hier den meisten bewusst. Waren es zu früherer Zeit Tanzlmuse-Formationen, etwa die Kapelle Zinkl oder auch später Tanzkapellen wie der legendäre „Fesche Kater“, sind es heute immer noch Klangkörper der hiesigen Blaskapelle und des Posaunenchores, die für regionale Musik stehen. Chöre und Gruppen, egal ob in gemischter Formation als reiner Männerchor, oder als Dreigsang, sie gehören zum kulturellen Erscheinungs- und Hörbild Schwarzenfelds. Es sind aber auch die volksnahen, eher staaden Gruppierungen, zu denen zweifellos auch ihr Beide als Geschwister Winterer gehört. Kaum eine andere Gesangsgruppe, hat den Namen und die Region um Schwarzenfeld, aber auch die Oberpfalz als musikalische Botschafterinnen so hinausgetragen, wie ihr Beide das gemacht habt und Gott sei`s gedankt, auch noch weiter tut. Was Anfang der siebziger Jahre mit eurem Vater Franz Winterer auf der Zither oder dem Akkordeon begonnen hat, wurde dann später mit Robert Merkl auf der Diatonischen und heute mit Anton Reiger auf dem Akkordeon als Begleiter fortgesetzt. Wollte ich eure Auftrittsorte, die wiederholt bis zum Tegernsee und in das benachbarte Österreich führten aufzählen, ich glaub die Liste wäre abendfüllend. „Bekannt aus Funk und Fernsehen“ werden oftmals fadenscheinig Interpreten tituliert, bei euch ist es Wahrheit und ich kann euch sagen, zumindest mir tut es verdammt gut, wenn ich den Morgen bei einschlägigen Radiosendern mit dem „Tröpferlbad“ oder mit dem „Mia san in Schwoazafeld dahoam“ beginnen darf. Zahlreiche CD-Produktionen, auch mit den unvergessenen Bettlmusikanten, zeugen von eurem Bekanntheitsgrad und eben von eurem einzigartigen, musikalischen, aber auch ganz persönlichen Charme.
In diesen 54 Jahren, in denen ihr mit dem Gesang das bodenständige Volkslied pflegt, gibt es Personen, ja Persönlichkeiten, die mit euch ganz vertraut und eng diesen Weg gegangen sind. Menschen, wie Altlandrat Hans Schuierer etwa, der mit euch gerade in den Achtzigern, zu Zeiten der Anti- WAA-Bewegung durch dick und dünn gegangen ist.
Nicht vergessen werden darf dabei auch der Franz-Josef Vohburger vom Landratsamt, der zu euren bedingungslosen Fans gehört. Begriffe wie die damals bekannten Nussgaggl-Lieder, mit denen ihr euch gesanglich gegen das Projekt positioniert habt, sind bleibende Zeugnisse. Das Beispiel eines gesanglichen Engagements von euch Beiden anlässlich einer Weihnachtsfeier aus dieser bewegten Zeit mag aufzeigen, welche politischen Bewegungen präsent waren. Als beim Auftraggeber bekannt wurde, welche politische Gesinnung mit Couplets, Gstanzl und sonstigen Liedbeiträgen auf eurem Repertoire stehen, erfolgte kurzerhand eine Absage – ohne Gründe.
Für unser Schwarzenfeld ist handgemachte Volksmusik ohne die Geschwister Winterer geradezu undenkbar. Beginnend mit dem bekannten Sänger- und Musikantentreffen, das in diesem Jahr 50. Jubiläum feiern darf, zusammen mit dem unvergessenen Dr. Adolf Eichenseer als Organisator bis hin zu den unscheinbaren, kleinen Geburtstagsfeiern daheim im Wohnzimmer, euer Singen und Musizieren bringt und macht Freude. Gottesdienste, Maiandachten, Einsätze beim Oberpfälzer Volksliedkreis oder auch die zahlreichen Auftritte mit der hiesigen Blaskapelle, für uns alle dankbare Erinnerungen in der Hoffnung auf viele Wiederholungen. Schmerzhaft und traurig dabei das Andenken an deinen Sepp, liebe Marita, der 2018 von uns gegangen ist. Wie würde er sich heut mit dir und uns freuen. Schön zu wissen, dass die Musik in eurem Haus mit deinen Buben und jetzt auch mit den Enkeln weiterlebt.
Liebe Helga, liebe Marita, irgendwie ist es vergleichbar mit einem Ritt durch einen großen Teil eures Lebens, was ich eben aufskizzieren durfte. Erinnerungen wurden aufgefrischt, so manchem Zuhörer das Geschwisterpaar Winterer ein Stück näher gebracht und ganz besondere Verdienste um eure, unsere Heimat veranschaulicht. Ihr Zwoa, ihr seids „A Stückl Hoamat, a Stückl Tradition“ um diesen bekannten Titel hier passend aufzugreifen.
So Marita, Helga, jetzt wird’s förmlich:
Auf Antrag eines Marktrates hin, wurde in der nichtöffentlichen Sitzung des Hauptverwaltungsausschusses am 20.10.25 das Vorhaben, nämlich die Geschwister Winterer besonders auszuzeichnen erstmals behandelt und vom Marktgemeinderat in der Zusammenkunft vom 17.11.25 die Verleihung eines Ehrenzeichens für besondere Verdienste um die Kultur des Marktes einstimmig beschlossen. Die nun folgende Auszeichnung wird gemäß Satzung an Personen verliehen, die sich, wie in diesem Fall im kulturellen Bereich, um das Ansehen des Marktes in hervorragendem Maße verdient gemacht haben. Zur Überreichung der Verdienstmedaille des Marktes Schwarzenfeld möchten wir alle ganz herzlich gratulieren.

